25. Januar 1907: Der deutsche Reichstag wird neu gewählt
WDR-ZeitZeichen vom 25.01.2007
Von Heiner Wember
Ein hochrangig besetzter "Presseclub": Unter der Leitung von WDR-Intendant Fritz Pleitgen diskutierte eine historische - und fiktive - Journalistenrunde das Ergebnis der Reichstagswahl von 25. Januar 1907.
Teilnehmerin Rosa Luxemburg analysierte die Gegensätze des Kapitalismus, die ihrer Meinung nach unweigerlich zum Umsturz führen. Alfred Hugenberg vom Alldeutschen Verband rechnete vor, dass es im Jahr 2000 in Deutschland 200 Millionen Menschen geben würde und dass man für diese Deutschen Kolonien brauchte. Heinrich Quinkenstein vom Dortmunder General-Anzeiger prophezeite, dass es im 20. Jahrhundert keine Kriege mehr geben wird, weil die großen Nationen wirtschaftlich zu eng miteinander verflochten sein würden. Eine turbulente Journalisten-Runde, in der Moderator Pleitgen immer wieder die Gemüter beruhigen musste.
Der historische Hintergrund: 1907 steckte das Deutsche Reich in einem blutigen Guerillakrieg in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Dieser Krieg gegen die als "Hottentotten" bezeichneten Nama kostete große Summen, so dass Reichskanzler Bülow einen Nachtragshaushalt eingebracht hatte. Den hatten das katholische Zentrum und die SPD wegen der grausamen deutschen Kriegsführung abgelehnt, worauf der Reichstag aufgelöst wurde. Der Reichskanzler konnte im Wahlkampf die meisten bürgerlichen Parteien zum "Bülow-Block" zusammenbringen. Sie führten einen extrem harten Wahlkampf gegen das Zentrum und vor allem gegen Sozialdemokraten, die wegen ihrer Haltung zur Kolonialfrage als "Vaterlandsverräter" verunglimpft wurden. Als Gewinner gingen aus dieser "Hottentottenwahl" der Bülow-Block und antisemitische Parteien hervor, während die SPD Mandate verlor.
Quelle: WDR 3
mp3-Audio-Datei
Von Heiner Wember
Ein hochrangig besetzter "Presseclub": Unter der Leitung von WDR-Intendant Fritz Pleitgen diskutierte eine historische - und fiktive - Journalistenrunde das Ergebnis der Reichstagswahl von 25. Januar 1907.
Teilnehmerin Rosa Luxemburg analysierte die Gegensätze des Kapitalismus, die ihrer Meinung nach unweigerlich zum Umsturz führen. Alfred Hugenberg vom Alldeutschen Verband rechnete vor, dass es im Jahr 2000 in Deutschland 200 Millionen Menschen geben würde und dass man für diese Deutschen Kolonien brauchte. Heinrich Quinkenstein vom Dortmunder General-Anzeiger prophezeite, dass es im 20. Jahrhundert keine Kriege mehr geben wird, weil die großen Nationen wirtschaftlich zu eng miteinander verflochten sein würden. Eine turbulente Journalisten-Runde, in der Moderator Pleitgen immer wieder die Gemüter beruhigen musste.
Der historische Hintergrund: 1907 steckte das Deutsche Reich in einem blutigen Guerillakrieg in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Dieser Krieg gegen die als "Hottentotten" bezeichneten Nama kostete große Summen, so dass Reichskanzler Bülow einen Nachtragshaushalt eingebracht hatte. Den hatten das katholische Zentrum und die SPD wegen der grausamen deutschen Kriegsführung abgelehnt, worauf der Reichstag aufgelöst wurde. Der Reichskanzler konnte im Wahlkampf die meisten bürgerlichen Parteien zum "Bülow-Block" zusammenbringen. Sie führten einen extrem harten Wahlkampf gegen das Zentrum und vor allem gegen Sozialdemokraten, die wegen ihrer Haltung zur Kolonialfrage als "Vaterlandsverräter" verunglimpft wurden. Als Gewinner gingen aus dieser "Hottentottenwahl" der Bülow-Block und antisemitische Parteien hervor, während die SPD Mandate verlor.
Quelle: WDR 3
mp3-Audio-Datei
der chris - Do, 25. Jan, 14:14